Auch bei Jnana Yoga handelt es sich um einen Yoga-Pfad, der im Westen eher unbekannt ist.
Wie
- Raja Yoga (dem Pfad der Gedankenkontrolle),
- Bhakti Yoga (dem Pfad der Hingabe) und
- Karma Yoga (dem Pfad des selbstlosen Dienens)
gehört Jnana Yoga zu den vier klassischen Yoga-Richtungen.
Jnana Yoga ist die intellektuelle Annäherung an die geistige Entwicklung. Durch Selbstbefragung und Analyse wird der Geist benutzt, seine eigene Natur zu untersuchen. Jnana Yoga wird als der schwerste Weg der vier Hauptpfade bezeichnet, weil wir zuerst fest in den anderen Yoga-Disziplinen (v. a. im Karma Yoga) verwurzelt sein müssen, bevor wir Jnana Yoga “in Angriff” nehmen können.
Die Praxis des Jnana Yoga beinhaltet die Anwendung der Techniken der Vedanta-Philosophie (Vedanta = wörtlich: “Ende der Veden”, denn Vedanta ist auf den Lehren der Upanishaden begründet und diese bilden die abschließenden Teile der Veden, die die ältesten Schrifttexte Indiens sind).
Die Hauptaussage von Vedanta lautet: Brahma satya – jagat nitya – jivo brahmaiva napara; d. h.: Brahman (das universelle Selbst, Gott) allein ist wirklich. Die Welt ist nicht wirklich. Jiva (die Einzelseele) ist Brahman.
Die indische Philosophie kann in sechs Schulen unterteilt werden:
- eine davon ist Advaita Vedanta von Maharishi Vyasa (woraus sich Jnana Yoga entwickelt hat),
- eine andere ist Yoga von Patanjali (also Raja Yoga).
Advaita Vedanta ist eine reine, nicht-dualistische Lehre, d. h. Materie und Geist sind eins. Vor Geburt war unsere Natur Sat-Chit-Ananda (Sein, Wissen und Wonne).
Aufgrund von Unwissenheit (avidya) fingen wir an, uns mit unserem Körper zu identifizieren und verstrickten uns immer mehr im Netz der Illusion (maya).
Ishvara (= Brahman in einem Körper) hat volle Kontrolle über Maya. So wie die Spinne ein Netz für sich selbst webt, hat Brahman die Welt geschaffen. Die Spinne kann sich überall im Netz bewegen und wird nicht von den Fäden der eigenen Schöpfung betroffen. Wird jedoch eine Fliege darin gefangen, wird sie im Netz verstrickt. -
Wir sind wie die Fliegen, die im Netz der Maya gefangen sind. Zum Erkennen unserer wahren Natur können wir die Techniken von Vedanta anwenden, was wiederum die Praxis des Jnana Yoga darstellt.
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Walter Bracun








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