Konzentration und Meditation – 6. und 7. Stufe im Raja Yoga

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Konzentration und Meditation

Konzentration (dharana) ist die 6. Stufe des achtgliedrigen Yoga-Pfades (auch als Ashtanga bzw. Raja Yoga bezeichnet; jedoch nicht zu verwechseln mit Ashtanga Vinyasa Yoga) und somit die Vorstufe zur Meditation (dhyana; 7. Stufe im Raja Yoga).
Wir können uns nur konzentrieren, wenn wir unsere Sinne unter Kontrolle haben und der Geist nicht fortwährend nach außen drängt.
Es ist wie bei einem Pferd: Lässt du die Zügel los, geht das Pferd mit dir durch; auf unseren Geist übertragen, bedeutet das: Lässt du deinen Gedanken freien Lauf, gehen auch deine Gedanken mit dir durch. Um dies hintan zu halten, nachfolgend einige Übungen, um die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen.

Übungen für die Konzentration

Zu Beginn wird es dir schwer fallen, die Aufmerksamkeit auf einen einzigen Gegenstand gerichtet zu halten.
Um die Konzentrationsfähigkeit zu trainieren, kannst du zunächst die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Gegenständen richten, um dem Geist eine gewisse Bewegungsfreiheit einzuräumen.

  • Konzentration auf eine Reihe
  • Versenke dich in eine Blume der unten stehenden Zeichnung; schließe die Augen und stelle dir die Blume vor deinem inneren Auge vor. Sobald dein Geist zu wandern beginnt, gehe zur nächsten Blume über.

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    Fällt dir die Konzentration auf Blumen schwer, wähle andere Objekte, z. B. Früchte oder Bäume und Gegenstände, die du wirklich gerne betrachtest.
    Sobald du keine Schwierigkeiten mehr im Visualisieren dieser Reihe von Objekten hast und konzentriert bleiben kannst, bist du für die Konzentration auf einen Gegenstand gerüstet.

  • Starren (tratrak)
  • Hier starrst du zunächst auf einen Gegenstand oder Punkt ohne zu blinzeln. Dann schließt du die Augen und lässt den Gegenstand vor deinem geistigen Auge erscheinen.
    Tratrak stärkt nicht nur die Konzentration, sondern reinigt auch deine Augen, verbessert gleichzeitig die Sehkraft und belebt das Gehirn über die Sehnerven.
    Wähle einen Gegenstand, der dir Freude bereitet, z. B. eine Kerzenflamme, einen schwarzen Punkt auf einem Blatt Papier, ein geometrisches Zeichen, ein Symbol, das Bild einer „Gottheit“, eine Blume, im Freien den Mond oder einen leuchtenden Stern usw.
    Plaziere den gewählten Gegenstand etwa einen Meter entfernt in Augenhöhe. Beruhige zuerst deine Atmung und starre dann auf den Gegenstand ohne zu blinzeln.
    Anfangs reicht eine Minute des Starrens, verlängere allmählich bis zu zehn Minuten; ermüden oder schmerzen deine Augen, schließe sie sofort.
    Halte den Gegenstand innerlich fest; sobald das innere Bild verschwindet, öffne die Augen und wiederhole das Ganze.
    Mit zunehmender Praxis wirst du den gewählten Gegenstand bei geschlossenen Augen immer klarer visualisieren, und dich somit auf ihn konzentieren können.

    Meditation – die 7. Stufe im Raja Yoga

    Meditation ist eine Erfahrung, die nicht beschrieben werden kann, so wie Farben einem Blinden nicht beschrieben werden können. Jede gewöhnliche Erfahrung ist durch Zeit, Raum und Ursächlichkeit beschränkt. Unser normales Bewusstsein und Verstehen kann diese Grenzen nicht überschreiten.
    Die Gegenwart, unmessbar klein und dahinschwindend, kann nicht erfasst werden. Vergangenheit und Zukunft sind in der Gegenwart nicht existent, das bedeutet: wir leben in einer Illusion (maya).

    Der meditative Zustand jedoch überschreitet alle diese Grenzen. In ihm gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern nur das Bewusstsein des „Ich bin“ im ungebundenen, ewigen Jetzt.
    Dies ist aber nur möglich, wenn alle Gedankenwellen des Geistes zur Ruhe kommen.
    Der am nächsten liegende analoge Zustand, den wir erfahren können, ist der Tiefschlaf, in dem es weder Zeit, Raum noch Ursächlichkeit gibt.
    Meditation unterscheidet sich vom Tiefschlaf dadurch, dass sie tief greifende Veränderungen in der Psyche hervorruft. Durch das Kontrollieren und zur Ruhe bringen der Schwingungen des Geistes bringt sie geistigen Frieden.

    Positive Wirkungen der Meditation

    Auf der physischen Ebene hilft Meditation, den anabolischen Prozess im Körper, also Wachstum und Wiederaufbau, zu verlängern und den katabolischen oder abbauenden Prozess zu reduzieren.
    Gewöhnlich herrscht der anabolische Prozess bis zu einem Alter von 18 Jahren vor. Zwischen 18 und 35 sind die beiden Prozesse im Gleichgewicht und nach 35 setzt der katabolische ein.
    Die Meditation reduziert den katabolischen Abstieg deutlich. Das geschieht infolge der natürlichen Empfindsamkeit der Körperzellen.

    Jede unserer Körperzellen wird durch den instinktiven, unterbewussten Geist kontrolliert.
    Jede hat sowohl ein individuelles als auch ein kollektives Bewusstsein. Wenn Gedanken und Begierden sich in den Körper ergießen, werden die Zellen aktiviert und der Körper gehorcht immer dem Befehl der übergeordneten Instanz.
    Es ist wissenschaftlich bewiesen worden, dass positive Gedanken in den Zellen positive Resultate hervorrufen.
    Da die Meditation einen verlängerten, positiven Zustand des Geistes mit sich bringt, verjüngt sie die Körperzellen und verzögert den Verfall.
    Meditation kann, – ebenso wie Schlaf, – nicht gelernt werden. Zur rechten Zeit kommen beide von selbst.

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    Beachte folgende Punkte für die Meditation

    • Suche einen besonderen Platz (ohne Störung); behalte diesen immer bei.
    • Wähle eine Zeit, zu der dein Geist von alltäglichen Belangen unbelastet ist (Morgen- oder Abenddämmerung).
    • Behalte Ort und Tageszeit täglich bei; dies hilft dem Geist, sich schneller zu beruhigen.
    • Bevor du mit der Meditation beginnst, befiehl deinem Geist, für eine bestimmte Zeit ruhig zu sein. Vergiss Vergangenheit und Zukunft.
    • Sitze aufrecht – Rücken, Nacken und Kopf in einer Linie – Gesicht nach Norden oder Osten.
    • Beginne mit fünf Minuten tiefer Atmung, verlangsame allmählich die Atmung und atme rhythmisch; als Anhalt je drei Sekunden für Ein- und Ausatmung.
    • Gestatte deinem Geist zunächst zu wandern; beobachte ihn und er wird allmählich ruhiger werden (forciere ihn nicht, ruhiger zu werden, denn dies führt zu zusätzlichen Gedankenwellen und dies wiederum behindert die Meditation).
    • Wähle einen Konzentrationspunkt (bist du eher gefühlsbetont das Herz, bist du eher intellektuell veranlagt den Punkt zwischen den Augenbrauen); wechsle diesen Punkt nie.
    • Wiederhole geistig oder laut Om, Ram oder dein persönliches Mantra (siehe unter den eBooks bzw. Skripten Yoga 2 bzw. Bhakti Yoga). Geistiges Wiederholen ist stärker; wenn du schläfrig wirst, wiederhole es laut. Wenn du einmal dein Mantra gewählt hast, bleibe immer bei diesem.
    • Beginne mit zwanzig Minuten und steigere allmählich auf eine Stunde.
    • Meditation kommt, sobald sich dein Geist (die Gedankenwellen) beruhigt hat; du behältst noch das Bewusstsein der Polarität (Dualität).
    • Nach langer Übung verschwindet die Polarität und der überbewusste Zustand (samadhi = die 8. Stufe im Raja Yoga) tritt ein.

     
    Foto-Quelle (Bild ganz oben): carbajo.sergio / Foter / CC BY-NC-ND

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